Neid in unserer Gesellschaft?

In gesellschaftlichen Gruppierungen innerhalb und außerhalb von Nationen und Landesgrenzen spielt sich das eigentliche Leben ab.

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Neid in unserer Gesellschaft?

Beitragvon micha » So Jul 31, 2005 13:11:25:

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, wendet sich heute öffentlich gegen Parteien, die Reiche und Erben stärker besteuern wollen. Er erhebt sein Brustkreuz gegen einen drohenden Kommunismus, möchte man meinen.

Sicherlich, sozial Schwache möchten gerne zu ihren Gunsten umschichten und unterstützen linksextreme Parteien. Sie gehen zu solchen Parteien, weil sie die Unterstützung von Kardinal Lehmann nicht haben, wie man sieht. Dieser möchte Merkel/Stoiber und eine Fortsetzung der Sozialreformen, um in ferner Zukunft mehr Soziales zu verbuchen.

In Wirklichkeit geht es mit den Kirchensteuern bergab. Der Kardinal klammert sich an risikolose bürgerliche Mitteparteien, die einen Aufschwung versprechen und so hoffentlich die Kirchenkassen auch wieder füllen. Darum will er mehr Beweglichkeit der Armen, die den Umbau des Sozialstaates unterstützen sollen, Besitzstandsdenken der Armen soll nicht sein, das der Reichen aber ja. Der deutsche Neidkomplex könnte explosiver werden als Bomben des Terrorismus, warnt der Kardinal.

Lieber Herr Lehmann, wir stehen nicht vor einer Oktoberrevolution. Auf sichere Pastorengehälter ist Niemand neidisch. Die Menschen sehen aber, dass sich Neureiche gebildet haben, die sich aus Steuertöpfen, vorgeschriebenen Krankenkassenbeiträgen, Zwangs-Fernsehgebühren, Zwangsnebenkosten etc. zu ihrem eigenen Vorteil bedient haben, die eigenen Vergütungen, Gehälter, Renten, Pensionen und Nebeneinnahmen auf Kosten der Allgemeinheit immer höher geschraubt haben und Deutschland nun ersticken. Sie sind - da haben sie Recht - immer weiter neidisch-gierig, ohne Unrechtsbewusstsein und unfähig, sich durch Selbständigkeit zu ernähren, darum anders als Menschen, die ihren Lebensunterhalt auf ehrliche Weise und mit viel Mühen und viel Arbeit selbst verdienen müssen.

Es gehört zur Tragik unserer Zeit, dass gerade Diejenigen, die so fleißig gearbeitet hatten, um ihre Familien durchzubringen, nun im Massen arbeitslos werden, während die Anderen, die Agenturen der Arbeit aus dem Boden stampfen und damit nicht den geringsten Erfolg haben, nur Milliarden verschleudern, bequem auf ihren Parasitenkissen sitzen und sich ein Häuschen hier, ein Autochen da, einen Urlaub hier, eine subventionierte Reise dort gönnen und sorglos auf ihren vergoldeten Lebensabend warten, nicht eine einzige Kardinalsbotschaft erhalten.

Wer sollte denen auf den Kissen etwas neiden? Diese Partei hier http://www.rheindeutschland.de/forum/vi ... =1084#1084 ?
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Beitragvon micha » Fr Sep 02, 2005 16:13:17:

Neid ist keine gute Sache, keine Tugend, Eifersucht ist es auch nicht.

"Ich halte es für unverantwortlich, dass die Kanzlergattin es wagt, die Kanzlerkandidatin deswegen anzugreifen", sagte jetzt "Emma"-Chefin Schwarzer.


Die Kanzlergattin hatte Frau Merkel eine geeignete Vita abgesprochen, die sie qualifizieren würde, Bundeskanzlerin zu werden. Immerhin lebt Frau Merkel in einer wohl intakten Ehe. Eine bessere Angriffsfläche für die Kanzlergattin, die eifersüchtig ihren Status erhalten möchte, wäre eine Dame aus ihrer eigenen Partei gewesen, nämlich Frau Heidemarie Wieczorek-Zeul, die geschieden wurde, kinderlos blieb und farblos bis kontraproduktiv ein Entwicklungsministerium leitet, das wegen des Kinderreichtums in der Dritten Welt wahrlich eine andere Person mit einer anderen Vita gut gebrauchen könnte.
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Beitragvon micha » Mi Sep 14, 2005 16:05:39:

Viele Politiker konnten anlässlich der IAA in Frankfurt nicht verstehen, warum die Autoindustrie noch immer Protzkarossen baut, statt wegen des hohen Spritpreises beispielsweise auf Hybridautos umzusteigen und den Schwerpunkt auf sparsame Verbraucher zu verschieben.

Die politische Logik will hier und jetzt Konsequenzen sehen, weil der Ölpreis explodiert. Sie stellt das Gegenteil fest, nämlich die Unlogik, das die Industrie kontraproduktiv reagiert hat.

Das Volk nickt dazu, wenn ein Politiker dies empörend findet und damit Stimmen fängt. Denn die vorgezogene Bundestagswahl ist in ein paar Tagen. Mit dem Neid auf den Protz zum Einen und mit der Unlogik wider die Zeit zum Letzten kann gepunktet werden, können unendschlossene Wähler noch beeinflusst werden. Völlig vergessen wird, darüber nachzudenken. Denn die scheinbare Logik stimmt nicht, überhaupt nicht.

Die Industrie weiß, was sie tut. Sie hat das Käuferpotential ausgelotet. Mit Nobelkarossen lässt sich immer noch das große Geld machen. Die Spritpreise spielen dabei kaum eine Rolle. Der Politiker mit seiner vermeintlichen Logik hat vergessen, dass die Schere zwischen arm und reich, zwischen den Nutznießern unseres Parteisystems und den zahlenden Verlierern immer größer geworden ist. Die Industrie möchte an die Nutznießer verkaufen. Sie kaufen. Sie haben das leichte Geld verdient. Sie brauchen die Streicheleinheiten, weil sie im Innern ihrer Seele wissen, dass sie ihr Geld nicht verdient haben, dass es ihnen das Parteiensystem leicht gemacht hat, dass die geheimen Nebeneinkünfte nur so sprudeln und dass dieses Geld unrechtmäßig, auf unmoralische Weise eingesackt worden ist.

Der Ausgleich ist die Nobelkarosse, die Streicheleinheit, vielleicht am Ende alles doch rechtmäßig erworben und verdient zu haben. Die Nobelkarosse ist das Selbstzeugnis, das die Weste wieder rein erscheinen lässt - wenigstens vor den bewundernden Augen der armen Nachbarn, Wähler, Arbeitslosen. Vielleicht ist etwas dran: "Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber". Geschlachtet wird erst hinterher, ausgeschlachtet wird erst einmal der Luxus.

Siehe auch http://www.rheins.de/forum/viewtopic.php?p=944#944
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Beitragvon micha » Mo Mär 10, 2008 11:02:53:

Der Führer Bunker in Berlin hatte einen Nachfolger bei Bonn.

„Rosengarten" lautete in Geheimdienstkreisen der nibelungenmythologische Code für den Ort. Auch der Tarnname „Dienststelle Marienthal" klingt ganz schön idyllisch. Dabei ist selbst die amtliche Bezeichnung „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit" (AdVB) noch ein bürokratendeutscher Euphemismus angesichts der Funktion, die dem atombombensicher in den Weinberg versenkten Bunker zukam: Im Falle eines dritten Weltkriegs sollten der Bundeskanzler, der Bundespräsident, ranghohe Vertreter der Verfassungsorgane, VIPs und Führungskräfte, dreitausend Menschen insgesamt, hier dreißig Tage lang überleben können.


Mit Auschwitz hatte der "Ausweichsitz" außer der sprachlichen Ähnlichkeit noch etwas anderes gemein. Himmler beseitigte zum Schluss noch die meisten Spuren, die Spuren des "Ausweichsitzes" wurden schamhaft ebenfalls beseitigt, als der Kalte Krieg überstanden war. In Auschwitz starben die "anderen" drinnen, im Ausweichsitz sollten sie draußen sterben. Hingenommen wurde von vielen das eine und das andere. Nur die VIPs, ehemals die Herrenrassen VIPs, neu die BRD Herrschafts VIPs, würden überleben.

Der Marienthal Bunker war noch einmal ein Milliarden Grab gesellschaftlicher Perversion mit bürgerlicher - heimlicher - Bevormundung, die Geheimhaltung kostete vermutlich noch einmal die Hälfte. Die Ausschwitz (doppel s) Scham bewirkte noch einmal die andere Hälfte an Kosten, nämlich das Herausschälen aus dem Berg, so dass heute nur noch ein kleines Museumslein übrig ist, das nicht mehr das Kleingeld übrig hat, um eine Fotodokumentation anzukaufen, die existiert http://www.dienststellemarienthal.de/frames.html - der Himmler Effekt des Spuren Verwischens auch hier.

VIPs wurden von der RAF trotzdem ermordet, obwohl da ein Rückzugs Bunker war. Sowohl die Überlebens Vorsorge oben als auch die Mordlust unten waren überdimensionale Irrwege, natürlich, das wissen wir. Verdächtigungen, Selbstbedienung an Steuern und Neid sind aus den Deutschen nciht herausgeschält worden, das wissen wir nicht. Sie wuchern weiter. Und es gibt kein Museum dafür.
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